Wolfgang Scholz

Ein ausdrückliches Dankeschön an dieser Stelle für unseren Guide Shambhu, den ich anderen Gruppen nur wärmstens empfehlen kann.

Im Oktober/November 2014 war ich mit einer achtköpfigen Gruppe zum dritten Mal in Nepal unterwegs. 2009 hatten wir das Glück, dass wir den erfahrenen und umsichtigen Führer Shambhu Pocarel für die Touren im Khumbu Gebiet und im Annapurna Gebiet zugewiesen bekamen. Letztes Jahr hatten wir ihn für unsere Tour extra angefordert und souverän wie bekannt führte er uns. Bei den Teilnehmern war er wegen seiner Umgänglichkeit und Freundlichkeit sehr beliebt. Über die Jahre blieben wir auch privat immer in Kontakt mit ihm.

Welche Umsicht und Führerkompetenz er besitzt zeigte sich am 14.10.2014 bei der Katastophe im Annapurna bei der er mit einer Gruppe von FHT mitten drin war! Nachweislich ums Leben kamen dabei 43 Menschen, darunter 13 Ausländer. Die meisten starben bei der Überscheitung des höchsten Passes der Annapurna Tour am Thorong La (5.416 m). Sie erlagen dabei den Umständen eines Schneesturms mit bis zu zwei Metern Neuschnee innerhalb weniger Stunden. Diesen hatte ein Tiefdruckgebiet, das sich vorher über dem Indischen Ozean gebildet hatte, völlig abnormal für diese Jahreszeit bis in diese Höhenlagen gebracht.

Eine lebensbedrohliche Situation entstand dadurch für alle Gruppen (Touristen, Träger und Guides), die in diesen Stunden bei der Überschreitung des Passes zu Gange waren:

Whiteout – im Schneetreiben sieht man nur wenige Meter weit, nachts gar nichts.
Orientierungslosigkeit – es gibt keine Spuren mehr und sie verschwinden schnell wieder.
Kräfteverschleiß – stundenlanges Spuren im Neuschnee.
Auskühlung – die Kälte in großer Höhe, die noch durch den Sturm verstärkt wurde

Bericht über die Ereignisse am Thorong La – nach der Schilderung von Shambhu.

Guide Shambhu und sein Hilfsguide Omez sind mit neuen Personen, Trägern und Gästen in Thorong Pedi (letzte Lodge am östlichen Passfuß). Die Überschreitung des Thorong La (5.416 m) steht an. Das Ziel ist Muktinath auf der westlichen Passseite. Normalerweise ist dies eine Tour von insgesamt 7-8 Stunden (Auf- und Abstieg).

In der Nacht und den ganzen Tag über gab schneite und stürmte es stark. Shambhu startete, wie andere auch und wie auch üblich, um 4.30 Uhr bei Dunkelheit – um 6.00 Uhr wird es hell. Sie erreichten die kleine Hütte, wo warmer Tee verkauft wird, auf der Passhöhe um 10.30 Uhr. Der Raum bot den einzigsten Schutz vor dem eiskalten Schneesturm. 66 Personen (Touristen, Träger, Guides und der Hüttenwirt) drängten sich im kleinen Raum, so daß sich niemand setzen konnte. Der Weg nach Muktinath hinunter war nicht mehr vorhanden (Neuschnee, Schneeverwehungen, keine Weitsicht, starker Sturm).

Der Hüttenwirt und ein Guide boten sich an gegen Entgelt den Weg abwärts zu spuren. Shambhu dagegen wollte lieber mit seiner Gruppe in der sicheren Hütte abwarten. Um 14.30 Uhr (viel zu spät, da es schon um 6 Uhr abends dunkel wird) begannen der Hüttenwirt, der Guide und insgesamt 42 Personen, Touristen und Trägern verschiedener Gruppen, den Abstieg. Der Hüttenwirt übergab Shambhu die Aufsicht über die Hütte und Shambhu, seine Gruppe und 14 weitere Personen anderer Gruppen verblieben zusammen auf der Hütte. Mit vorhandenem Kerosin kochten sie über Stunden heißen Tee und Nudeln.