Dieter Treichel aus 80801 München

Nun sind es gut zwei Monate her, dass wir (meine Freundin und ich) aus Nepal von unserem Annapurna-Trekk wieder zurück sind und uns plagt das schlechte Gewissen: Noch immer nichts in Gästebuch geschrieben! Jetzt wird es also Zeit…

Wir waren vom 20. September ¬bis zum 12. Oktober 2014 unterwegs, also noch in der Vorsaison. Zum Glück, würden wir heute sagen, denn nur eine Woche später ereilte über 40 Menschen der Tod in einem schweren Schneesturm genau auf dem Weg, den auch wir gegangen sind. Neben all den intensiven Eindrücken aus diesem wunderbaren Land wird uns auch diese Tragödie wohl für immer in Erinnerung bleiben.
Aber das Gästebuch hat ja vor allem einen Zweck, nämlich andere Interessenten darüber zu informieren, warum sie bei HFT buchen sollten – oder eben nicht buchen sollten. Um es vorweg zu nehmen: uns fällt kein Grund ein, warum man nicht hier buchen sollte. Allerdings ist dies natürlich unsere ganz persönliche Meinung und jemand anderes mag andere Kriterien haben als wir, so dass auch seine Einschätzung eine andere wäre. Wir jedenfalls brauchen keine Schweizer Bergführer in Nepal oder den gehobenen Luxus im Hotel. Wir fühlen uns wohl in der kleinen Gruppe (wir waren tatsächlich allein unterwegs) und mögen eine individuelle Planung und Betreuung, die Paul Nicolini hervorragend für uns übernommen hat. Daher mögen wir auch die bekannten Anbieter wie Hauser oder Summit Club nicht unbedingt, aber viele andere sind mit ihnen sehr zufrieden. Der Leser / die Leserin wird also nicht umhin kommen, sich selber Gedanken darüber zu machen, was ihr oder ihm wirklich wichtig ist und was nicht.
Zu unserer Tour: Wir hatten uns den Film „Sadhu“ angeschaut und spontan beschlossen, dass unser nächstes Reiseziel Nepal wird. Für mich wäre es das erste Mal, für meine Freundin Corinna bereits das dritte Mal. Für uns war auch klar, dass wir (wieder) mit einem Reiseveranstalter reisen und nicht alles alleine machen wollten. Und die Wahl des Reiseveranstalters war auch von Beginn an klar: es sollte wieder HFT werden. Wieder, da Corinna bereits vier Mal und ich ein Mal zuvor mit HFT unterwegs waren und es war immer so, wie wir es uns vorgestellt und gewünscht hatten. Und um es vorweg zu nehmen: auch dieses Mal war alles genau so, wie wir es uns erhofft hatten.

Nach einem Anruf bei Paul Nicolini, bei dem wir ihm unsere Vorstellungen geschildert hatten (Nepal, Mustang, möglichst mit einer Bergbesteigung >6.000 m, ca. drei Wochen Zeit), hat er uns kurzfristig ein Angebot gemacht. Dieses war allerdings zu lang, aber die Anpassung war schnell von ihm gemacht und wir hatten ein Angebot über einen dreiwöchigen Trekk auf der Annapurna-Runde mit einer Besteigung des Thorong Ri (Thorong La Peak). Auch der Preis war günstiger, als wir es erwartet hatten und somit war die Buchung schnell entschieden und unterschrieben. Die Planung und der Großteil des „Papierkrams“ wurden ebenfalls von Paul Nicolini übernommen, so dass wir uns eigentlich nur noch um die Visa selber kümmern mussten.

Dann ging es los: wir sind mit Turkish Airlines mit einem Umstieg in Istanbul nach Kathmandu geflogen. Der Flug und das Umsteigen inklusive des Anschlussfluges haben sowohl beim Hin-, als auch beim Rückflug ohne jede Probleme geklappt. Einziges Manko ist, dass ein Grund für die günstigen Preis offensichtlich die enge Bestuhlung der Flieger ist. Ich bin mit 1,80 m sicherlich nicht übermäßig groß, aber bequem sitzen ging nicht wirklich. Aber was soll’s ¬– die Flüge sind nicht sehr lang und so hält man es dann doch ganz gut aus. Am Flughafen von Kathmandu wurden wir von Navu, einem Mitarbeiter von HFT, in Empfang genommen, der für uns vor Ort alles organisiert hat. Er kümmerte sich wirklich sehr herzlich und aufmerksam um uns, so dass wir uns sofort willkommen und gut aufgehoben fühlten. Das Hotel für die ersten beiden Nächte, bevor es auf den Trekk ging, war gut und für uns war es jedenfalls mehr als adäquat. Wir fühlten uns wohl, zumal es sehr gut im Zentrum von Thamel gelegen ist. Im Hotel hat uns Navu dann auch unseren Guide für den Trekk und die Bergbesteigung vorgestellt: Lalit Tamang. Schon nach fünf Minuten war uns klar, warum wir keinen Schweizer Bergführer brauchen und dass wir die nächsten Tage genau den Guide (und Freund) haben werden, auf den wir gehofft hatten. Er ist erfahren und kompetent, kennt sich sehr gut aus und ist bei aller Verbindlichkeit, die er ausstrahlt, gleichzeitig ein netter und freundlicher Mensch, mit dem wir uns sehr schnell angefreundet haben. Für uns war bzw. ist aber noch ein weiterer Aspekt wichtig.

Er ist ein gläubiger Buddhist und über ihn bekamen wir einen wunderbaren Zugang zur Nepalischen Kultur und Religion, die hier ein friedliches Miteinander von Hindus und Buddhisten ist. Er kannte jedes Kloster in der ganzen Gegend und durch ihn öffneten sich auch die Tore, die uns ansonsten wohl mehr als einmal verschlossen geblieben wären. Dies ist wohl auch der wichtigste und stärkste Grund, warum man in Nepal überhaupt mit einem Guide unterwegs sein sollte. Wir haben viele getroffen, die alleine unterwegs waren und die meisten hatten auch das subjektive Gefühl, dadurch Nepal intensiver zu erleben, als in einer geführten Tour. Tatsächlich waren diese Touristen aber vor allem damit beschäftigt, sich und die Tour jeden Tag aufs Neue zu organisieren, während wir durch Lalit und natürlich HFT im Hintergrund die Suche nach Hotelzimmern etc. einfach „vergessen“ und dafür intensive Eindrücke von der Kultur und Religion sammeln konnten. Wir würden jedenfalls immer wieder mit einem Guide durch Nepal reisen, denn er macht es nicht nur auf der organisatorischen Ebene einfacher, sondern bietet den Schlüssel zu einer Kultur, die uns ansonsten sicherlich an vielen Stellen doch verschlossen geblieben wäre.

Am dritten Tag ging es dann endlich auf den Trekk. Wir sind mit einem Jeep nach Bulbule gefahren, von wo aus wir dann loslaufen wollten in Richtung Thorong La und Jomosom, unserer letzten Station bevor es wieder „in die Zivilisation“ gehen würde. Leider hatte ich einen echten Fehlstart. Kurz nach der Ankunft bekam ich Fieber und meinen ersten Tag verbrachte ich entweder im Bett oder auf der Toilette. Aber auch hier war Lalit sofort zur Stelle und regelte alles. Die Tour wurde kurzerhand umgeplant ohne dass wir auf irgendetwas verzichten mussten und ich bekam einen Tag extra, an dem ich mich auskurieren konnte. Dann ging es endlich los. Mit uns ging die ganze Zeit Lalit als Guide, der uns den Weg zeigte, vor allem aber alles erklärte und uns einen tiefen Einblick in das Leben, die Kultur und Religion der Nepali gewährte. Außerdem waren noch Ram Shrestna und Prem Tamang als Träger dabei, auch wenn sie zumeist nicht direkt mit uns liefen, sondern ihren eigenen Rhythmus und ihr eigenes Tempo hatten. Die beiden Träger waren vor allem nötig, da wir wegen der Besteigung des Thorong Ris direkt auf dem Thorong La zelten wollten bzw. mussten und die Zelte, das Kochgeschirr und all das übrige Geraffel den ganzen Weg mit hinauf getragen werden mussten. Auch unser Gepäck war für eine Trekkingtour ungewöhnlich schwer, da wir für den Berg unsere Steigeisen, Pickel und übrige hochalpine Ausrüstung mit dabei hatten, so dass wir jeweils deutlich über 20 kg dabei hatten, die nur sehr mühsam von uns allein hätten getragen werden können. Auch wenn Ram und Prem nicht so gut Englisch sprachen wie Lalit und man mit „Händen und Füßen“ nachhelfen musste, war unser Verhältnis zu beiden sehr herzlich und freundschaftlich, was den „Wohlfühlfaktor“ auf unserem Trekk nochmals erhöhte.

Unser Trekk führte uns dann auf der nordöstlichen Seite des Annapurna-Massivs in Richtung Thorong La. Nicht zuletzt wegen der Akklimatisation aber auch wegen seiner Schönheit machten wir noch einen kleinen Abstecher zum Tilicho-See, der uns ebenfalls zutiefst beeindruckte. Für mich als „Nepal-Neuling“ waren die Berge des Himalayas tatsächlich überwältigend. Natürlich hatte ich schon unzählige Fotos gesehen, auch von den berühmten „8.000ern“. Aber dennoch war ich nicht darauf gefasst, dass sie so viel gewaltiger und majestätischer sind als auf den Bildern, wenn man ihnen dann tatsächlich direkt gegenüber steht. Plötzlich wurden meine geliebten Alpen ganz schön „mickrig“…

Auf unserer Tour begleitete uns allerdings auch der Regen. Wir waren in der Vorsaison unterwegs, der Monsun war also noch nicht ganz vorbei. Für uns war dies aber letztlich ein großer Vorteil. Auf den Regen, der immer erst am späteren Nachmittag kam, konnten wir uns leicht einstellen und waren (fast) immer rechtzeitig in der nächsten Lodge. Auf der anderen Seite war die Zahl der Touristen gegenüber der Hauptsaison um mindestens den Faktor 10 niedriger, so dass wir oft das Gefühl hatten, alleine auf dem Weg zu sein. Die Übernachtungen wurden von HFT und Lalit für uns organisiert und soweit es möglich war, hatten wir immer die besten Zimmer in den Lodges. Natürlich ist der Komfort und die sanitäre Ausstattung nicht vergleichbar mit einem europäischen Hotel, aber das würde man wohl auch nicht allen Ernstes erwarten. Worauf man sich allerdings einstellen muss ist, dass die letzten Orte bzw. Lodges vor dem Thorong La mit akutem Wassermangel zu kämpfen haben und schon das Händewaschen zur Herausforderung wird. Es sind aber nur einige Tage ganz oben, in denen man nicht wenigstens eine warme Dusche hat.
Wie schon geschrieben, haben wir direkt auf dem Pass gezeltet, wofür wir entsprechend warme Schlafsäcke etc. dabei hatten. Am nächsten Tag sollte es dann um 2 Uhr früh losgehen auf den Thorong Ri / Thoron La Peak. Leider fühlte sich Corinna nicht wohl (die Höhe von 5.400 m machten ihr zu schaffen), so dass wir beschlossen, dass ich alleine mit Lalit die Besteigung machen werden. Hier muss ich den wohl einzigen Kritikpunkt an HFT loswerden: Die Beschreibung des Schwierigkeitsgrades der Besteigung, die wir von Paul Nicolini vor der Reise bekommen haben (40° Firnflanke, ansonsten einfach), stimmt nicht wirklich mit der Realität am Berg überein. Die Flanke ist sicherlich deutlich über 40° steil und geht bald in einen Gletscher über, der zudem nicht ungefährliche, große Spalten hat, die wir auf Schneebrücken am Seil gegenseitig sichernd überquerten. Nach dem Gletscher folgt ein sehr steiles (50 – 60° ist meine Schätzung) „mixed Gelände“, also eine Mischung aus Fels, sehr losem Geröll und Eis, das ebenfalls nur mit Pickel und Steigeisen zu durchsteigen war. Erst danach wurde es flacher und man konnte dann sehr entspannt – wenn auch reichlich kurzatmig wegen der Höhe – zum Gipfel aufsteigen, den wir bei herrlichem Wetter und einer grandiosen Aussicht auf den Annapurna und die übrigen Bergriesen genießen konnten. Dann ging es wieder hinunter und ca. um 9 Uhr verließen wir die Firnflanke. Hier wartete schon Prem auf uns mit heißer Suppe und auch Corinna kam und ich konnte sie wieder in den Arm nehmen.

Vom Thorong La aus ging es dann hinunter nach Muktinath und schließlich nach Jomosom/Jomsom. Hier gab es nochmals ein wenig Hektik, da wir von hier mit dem Flugzeug nach Pokhara fliegen wollten und die kleinen Flugzeuge in Verbindung mit der sehr kurzen Startbahn dazu führen, dass der Gepäcktransport oberhalb von 14 kg nicht mehr garantiert ist. Tatsächlich haben wir eine größere Gruppe getroffen, deren Gepäck nicht transportiert wurde und einige daher (mindestens) noch einen Tag länger bleiben mussten. Bei uns hat zum Glück alles gut geklappt, auch dank Lalits Einsatz.

In Pokhara hatte uns die Zivilisation wieder und nach einem weiteren Reservetag in der schönen Stadt ging es dann wieder zurück nach Kathmandu, wo uns Navu am Flughafen schon empfing. Nach einem weiteren Tag ging es dann wieder zurück nach München, was von HFT ebenfalls reibungslos organisiert war.

Zusammenfassend können wir nur sagen, dass es ein wunderbarer Urlaub war und das HFT, konkret alle Mitarbeiter, einen großen Anteil hieran hatten. Uns bleibt nur ein herzliches „Danke“ an HFT.


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